2023



06. Dezember 2023

„Wann fängt Weihnachten an?“

Ei, fröhlicher Weihnachten auf hessich und anderen SprachenGlaubt man den Auslagen in den Geschäften, fängt Weihnachten im Sommer an. Im August erscheinen die ersten Lebkuchen, einst traditionelles Weihnachtsgebäck, in den Verkaufsregalen. Im Oktober folgen die Weihnachtsmänner aus Schokolade. Wann also fängt Weihnachten an? Mit dieser Frage beschäftigten sich die Besucherinnen und Besucher des Erzählcafés am Nikolaustag im Oberhessischen Museum. Die Veranstaltung war eine Kooperation des Museums mit dem Ausländerbeirat und dem Büro für Integration der Stadt Gießen. Dagmar Hinterlang leitete durch das Programm. Dr. Julia Schopferer begrüßte die Gäste im Namen des Museums.

 

So unterschiedlich wie die Herkunft der Besucherinnen und Besucher waren die Sprachen, in denen die Besucher einander „Frohe Festtage“ wünschten. „Schiene Chreastdoag“ sagten jene aus Gießens Stadtteil Lützellinden. Andere benutzten Formulierungen in Russisch, Ukrainisch, Tigrinya, Amharisch und Niederländisch. In Holland, wie eine Besucherin schilderte, ist der Nikolaustag als Familienfest wichtiger noch als Weihnachten selbst. Dann nämlich erscheint Sinterclaas mit seinem Gesellen, dem Zwarte Piet, und verteilt die Geschenke. Namensgeber für den Nikolaustag ist der Bischof Nikolaus von Myra. Den männlichen Vornamen Nikolaus gibt es übrigens in vielen Varianten, als Nikollë in Albanien oder Nikolasz in Ungarn, und auch der weibliche Name Nicole stammt offenbar ursprünglich von Nikolaus.

 

Ein Foto aus Asmara, der Hauptstadt Eritreas, lenkte den Blick auf die christlichen Traditionen des Weihnachtsfestes. In Deutschland ist der 24. Dezember das wichtigste Datum. Bei den orthodoxen Christen in Äthiopien und Eritrea wird am 7. Januar gefeiert. Das von einer Besucherin mitgebrachte Foto symbolisierte das friedliche Miteinander von Religionen. Kirche, Moschee und Synagoge stehen auf engstem Raum. Jeder toleriert den anderen, meinte die Besucherin.

  

Teilnehmer im Erzählcafé
Teilnehmer im Erzählcafé

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20. November 2023

Internationales Linneser Frauen Café

Beim jüngsten Treffen der Linneser Frauen war gemütliches Plaudern angesagt, … und Kaffee trinken. Aber: Kaffee trinken ist nicht gleich Kaffee trinken, wie die Frauen im internationalen Vergleich erfuhren. Mit der äthiopischen Tradition des Kaffeetrinkens hatten sie sich bei früherer Gelegenheit schon vertraut gemacht. Sie hatten die Betriebsstätte von „Kaffee Pura“ in der Grünberger Straße besucht und den Weg der Kaffeebohne vom Anbaugebiet bis zur Röstung verfolgt. Mezgebe Tafse hatte den Kontakt vermittelt und zur äthiopischen Kaffeezeremonie eingeladen. Ein Erlebnis für alle Sinne.

 

Im November 2023 trafen sich die Frauen im neuen Café von Christiane Janetzky-Klein in der Wetzlarer Straße. Es gab Kaffee und Kuchen. Ani Jung bediente und konnte gleich den Unterschied zwischen einer herkömmlichen deutschen und einer polnischen Porzellankanne erklären. Ein „Nippel“ macht den Unterschied. Der „Melitta“-Kaffeeflter ist fester Bestandteil deutscher Kaffeetradition. Nicht so in anderen Ländern, wie die Frauen im Austausch erfuhren. In Polen beispielsweise wird Kaffeepulver aufgekocht, in der Türkei und auf den Philippinen offenbar auch. In Chile greift man zum Instant-Kaffee, wobei sich auch dort, wie überall, die modernen Kaffeeautomaten durchgesetzt haben. Chile ist im Gegensatz zu anderen südamerikanischen Ländern kein herkömmliches Kaffeetrinkerland, wie Ani Kühle berichtete. Sie erinnerte an die Tradition des „Once“. Once ist die „Teatime“ der Chilenen. Das Wort bezieht sich auf die elf Buchstaben des „aguardiente“, einem chilenischen Schnaps. Neben Hochprozentigem wird beim „Once“ allerdings auch Süßes gereicht.

 

Das Café „Raumshift“ (Wetzlarer Str. 103a) ist jeden Montagnachmittag von 15 bis 18 Uhr geöffnet.

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16. Oktober 2023

„Alle Sinne auf Empfang“

Die Sonne scheint durch die Blätter und die Kinder beobachten, wie „Staubkonfetti“ zu Boden schwebt. Die Kinder des Waldkindergartens in Linden-Forst, die „Forstifanten“, sind täglich in der freien Natur unterwegs. Ob warm oder kalt, ob nass oder trocken – immer sind sie draußen. Sie erleben Freiheiten, die ein festes Gebäude ihnen nicht bieten könnte. Nur Sturm oder Gewitter setzt ihnen Grenzen. Dann müssen die „Forstifanten“ in das evangelische Gemeindehaus ausweichen. Beim Treffen der Linneser Frauen gab Kita-Leiterin Sabine Schlicksupp ihren Gästen einen Eindruck von der naturnahen Einrichtung. Sabine Schlicksupp ist ausgebildete Erlebnis- und Waldpädagogin. Ihr Team besteht aus fünf Mitarbeiterinnen und einem Praktikanten.

 

Gleich zu Beginn konnten die Linneser Frauen beweisen, wieviel Kenntnis sie selbst vom Wald und seinen Bewohnern haben. Sie mussten Felle bestimmen, die sich als Fuchs und Hase, Wildschwein, Reh und Waschbär erwiesen. Etwas schwieriger wurde es bei den Fellen der Familie Marder, denn hier galt es zwischen Baum- und Steinmarder zu unterscheiden. Um einen Eindruck vom praktischen Kindergartenalltag zu bekommen, erhielten die Frauen eine weitere Aufgabe. Sie mussten – wie die Eichhörnchen – Nüsse (hier: Pfirsichkerne) verstecken und später wiederfinden.

 

Die Kinder werden täglich zwischen 7.30 und 8.30 Uhr gebracht. Aufgenommen werden nur Lindener Kinder, und zwar im Alter ab drei Jahren. Um 8.35 Uhr versammeln sich alle zum Morgenkreis. Gegen halb zehn wird gemeinsam gefrühstückt. Frühstück ist mehr als nur Nahrungsaufnahme, sagt Kita-Leiterin Schlicksupp. Sie betont das gemeinschaftliche Lernen und Spielen. Am Beispiel von Igel und Ziege beschreibt sie, wie die Kinder es lernen, mit Konflikten umzugehen. Der Igel hat sich ein Nest aus Blättern gebaut, um dort zu überwintern. Die junge Ziege tollt herum, zerstört das Blätterdach. Der Igel ist sauer, die Ziege weiß nicht, warum. Jetzt ist Aufklärung und gegenseitiges Verständnis gefragt. Das git übrigens auch bei der einzigen, zwischen zwei Bäumen aufgespannten Schaukel. Eine Eieruhr regelt, wie lange jeder schaukeln darf.

 

Zwischen elf und halb zwölf gibt es den Abschlusskreis, um 12 Uhr wird zu Mittag gegessen. Um 14.30 Uhr ist Schluss. Immer freitags ist „Axel-Tag“. Dann nämlich kommt Pfarrer Axel Zeiler-Held, der den Kindergarten im Jahr 2011 gegründet hat, mit seiner Gitarre. Er singt mit den Kindern und erzählt biblische Geschichten.

  


 08. Oktober 2023

Erst wählen, dann wandern
Backschießer wanderten zum „Philipp“ nach Leihgestern

Wandergruppe

 

Die Backschießer-Wanderung 2023 führte durch den Gießener Stadtwald nach Linden-Leihgestern. Knapp 20 Linneser und ehemalige Linneser (die weitgereisteten Gäste kamen aus Eltville) hatten sich am Tag der Hessischen Landtagswahl am Denkmal in der Frankfurter Straße eingefunden, um bei der traditionellen Veranstaltung mitzumachen. Eine der ersten Wanderungen führte im September 1995 nach Hof Haina. Seitdem wurden fast 30 Strecken im heimischen Umfeld erkundet. Am 8. Oktober 2023 ging es nun durch den herbstlichen Wald in Richtung Watzenborn-Steinberg und an der Umweltbeobachtungs- und Klimafolgenforschungsstation Linden der Justus-Liebig-Universität vorbei zum Landgasthaus „Zum Löwen“ (besser bekannt als „Beim Philipp“). Gestärkt mit deftigen Gerichten aus regionaler Küche machten sich die Linneserinnen und Linneser auf den Rückweg nach Kleinlinden.
 

im Wald
Holzstapel im Wald
Häuschen im Wald
Pilze im Wald
Wandergruppe auf dem Weg
Moos bedecktes Altholz
Wandergruppe auf dem weiteren Weg
Orientierung am Wegweiser
Grabsteine eines ehemaligen Friedhofs
ein schöner Pilz
Waldfrucht
Waldfrucht

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18. September 2023

Frauen im Beruf – Constanze Lemp und Friederike Freitag berichteten von ihrer Tätigkeit bei Rewe

Friederike Freitag und Constanze Lemp
Friederike Freitag und Constanze Lemp

Einst waren sie mit dem Dreirädchen im Laden der Eltern unterwegs. Heute leiten Constanze Lemp und ihre Schwester Friederike Freitag zwei Supermärkte in Heuchelheim und Kleinlinden. Beim Treffen der Linneser Frauen am 18. September 2023 berichteten die beiden Geschäftsfrauen von ihrem abwechslungsreichen Berufsleben.

 

In der Nachfolge von Roland Germer war die Familie Lemp zunächst noch in der Wetzlarer Straße aktiv, siedelte dann aber um in den Neubau im Heerweg. Constanze Lemp hat den Beruf der Kauffrau im Einzelhandel gelernt und ein Studium der Betriebswissenschaft mit Schwerpunkt Steuern angehängt. Friedrike Freitag ist gelernte Bankkauffrau. Dass sie einmal in die Fußstapfen ihrer Eltern treten würden, hatten beide nicht geplant. Die Mutter stammte aus der Nähe von Fulda, der Vater aus Treis. Beide betrieben einen kleinen Laden mit angegliederter Gastwirtschaft, wie es früher oft üblich war. 1992 übernahmen Georg und Elisabeth Lemp, die Eltern von Constanze und Friederike, den Markt in Heuchelheim. Seit 2005 sind sie auch in Kleinlinden.

 

Constanze Lemp ist froh, von ihren Eltern nie in die Nachfolge gedrängt worden zu sein. Inzwischen ist sie Chefin von 95 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, davon 45 in Kleinlinden. Geöffnet ist von 7 bis 22 Uhr. Als Mutter zweier Kinder im Alter von vier Jahren und sechs Monaten ist sie froh, auf den Rückhalt ihrer Familie zählen zu können. Nur so ist es möglich, fast rund um die Uhr für den Laden da zu sein. „Hin und wieder bleibt sogar Zeit für den Besuch einer Eisdiele,“ schmunzelt Constanze Lemp. Ihre Schwester erinnert an die Karnevalshochburg Heuchelheim. Ob Kirmes oder Faschingsumzug: Die Familien Lemp/Freitag sind gerne dabei.

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21. August 2023

Kindheit in den Bergen

Gertraud BarthelRabe schreibt man mit „h“, also Rahbe – da ist sich die kleine Emma ganz sicher. Und sie setzt sich durch, gegen die Lehrerin, was in den 1950er Jahren ziemlich mutig war. Eine Strafaufgabe erhielt sie  trotzdem, und ihre Eltern wurden zu einem Gespräch in die von Nonnen geleitete Schule zitiert.

Emma und Peter sind zwei Figuren in einem Erzählband von Gertraud Barthel. Sie schildert darin ihr Leben in einem Bauerndorf in den österreichischen Hochalpen. Beim Treffen der Linneser Frauen am 21. August 2023 stellte Gertraud Barthel ihr autobiografisches Buch vor. Obwohl Emma und Peter fiktive Gestalten sind, lehnt sich das Erzählte doch eng an die Lebensgeschichte der Autorin an. „Fast nichts ist erfunden“, betonte denn auch Gertraud Barthel. Ihre Zuhörerinnen verfolgten die Schilderungen mit lebhaftem Interesse.

Gertraud Barthel, Jahrgang 1946, hat ihre Grundschulzeit in dem österreichischen Dorf verbracht, war ab 1956 dann auf verschiedenen Internaten. In ihrem Erzählband „Die Geschichte vom Hund“ beschreibt sie ihre Kindheit in den Bergen, hübsch illustriert mit Zeichnungen des Kleinlindener Grafikers Werner Braun. Sie entführt die Leserinnen in eine Welt, in der Schülerinnen noch bestraft wurden, wenn sie mit der „falschen“, also der linken Hand schrieben. Sie erinnert an die Wohlgerüche in der Bäckerei, in der Peter sein Taschengeld für fast unerschwingliche Köstlichkeiten wie Roggenbrötchen oder Apfelkuchen ausgab. Das Geld, so sei angemerkt, verdiente er mit dem Verkauf von auf Vorrat geschriebenen Strafarbeiten. Einen Hauch der großen, weiten Welt erlebten die Kinder, wenn sie die Autokennzeichen der Fahrzeuge notierten, die auf dem Weg zur Großglöckner-Höhenstraße unterwegs waren. Einmal fuhr sogar eine Limousine mit ägyptischem Kennzeichen vorbei.

Seit 1987 wohnt Gertraud Barthel in Kleinlinden. SIe arbeitete als Lehrerin in München, Heldenbergen (bei Frankfurt) und Salzböden, bevor sie durch berufliche Stationen ihres inzwischen verstorbenen Ehemannes nach Gießen kam. Der Erzählband „Die Geschichte vom Hund“ (ISBN 978-3-96014-370-3) ist 2017 bei der edition winterwork erschienen. Er kann im Buchhandel bezogen werden.

 

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17. Juli 2023

Möhren, Fenchel, Salat …
Linneser Frauen besuchten den Saisongarten in der Wetzlarer Straße

Im Januar 2023 hatten sich die Linneser Frauen über den in Planung befindlichen Saisongarten in der Wetzlarer Straße informiert. Birgit Kundermann vom Ernährungsrat Gießen und Christiane Janetzky-Klein referierten. Inzwischen sind die Parzellen bepflanzt. Es wird gehackt, gegossen und geerntet, wie die Linneser Frauen vor Ort erfuhren.
 


Die andauernde Hitze ist eine Herausforderung für die Gärtnerinnen und Gärtner. Alle Gemüsepflanzen und die farbenfrohen Blumen befanden sich beim Besuch der Linneser Frauen auf dem abgeteilten Gelände jedoch in bestem Zustand. Ein zentrales Wasserbecken ermöglicht es, nach Notwendigkeit zu gießen. Alle Gerätschaften zur Bearbeitung und Pflege der Parzellen werden im Rahmen des Pachtverhältnisses zur Verfügung gestellt. Birgit Kundermann, Christiane Janetzky-Klein und Rebecca Heckwolf vom Ernährungsrat Gießen sind zu recht stolz auf das großartig angelaufene Projekt. Der Saisongarten in Kleinlinden ist der dritte dieser Art in Gießen. Bis November 2023 sollte alles abgeerntet sein. Ab Mai 2024 beginnt dann die neue Saison.

 

Frage: Welche Gemüsearten vertragen sich gut mit Möhren?
Anwort: Endivien, Erbsen, Knoblauch …

 

Frage: Und welche Arten vertragen sich nicht mit Möhren?
Antwort:
Kaninchen!

 

Blumen
Zucchini
Mangold
Gießkannenstand

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21. Juni 2023

Was heißt denn „Heimweh“ auf Japanisch?

Seit 1996 wohnt Eri Weller in Kleinlinden. Geboren wurde sie in Tokio – 14 Flugstunden von Kleinlinden entfernt. Ende März 2023 war sie nach langer Coronapause erstmals wieder in ihrem Heimatland, konnte Freunde und Verwandte treffen. Beim Treffen der Linneser Frauen am 19. Juni 2023 schilderte sie ihre Reiseeindrücke, zeigte Fotos und ergänzte ihre Informationen um allerlei Wissenswertes rund um Japan und die japanische Kultur. Zur Begrüßung gab es ein Stückchen mit grünem Tee aromatisierte Schokolade, als kulinarischen Ausklang geröstete Anchovis, eine köstliche, von den meisten Anwesenden aber zunächst argwöhnisch betrachtete Spezialität. Die Überschrift zu diesem Text bezieht sich übrigens auf das im Jahr 2019 erschienene Buch der Linneser Frauen mit eben diesem Titel.

  

Japan hat nur wenig mehr Fläche als Deutschland. Die Bevölkerung ist um die Hälfte größer, aber Tokio hat 14 Millionen Einwohner, Berlin nur 3,7.
Eri Weller erklärt
Wiedersehen nach langer Coronapause
Teilnehmergruppe
Japanisches Essen
Eine japanische Mahlzeit besteht aus vielen verschiedenen Gerichten. Reis und Tee gehören immer dazu. Beim Essen mit Freunden oder Verwandten wird geteilt.
Japanisches Essen
Hanami - Kirschblütenfest
Hanami - Kirschblütenfest
Hochhauskulisse in Tokio
Hochhauskulisse in Tokio
Daibutsu – Japans größte Buddha-Statue
Daibutsu – Japans größte Buddha-Statue
Freunde aus Lindens Partnerstadt Warabi
Freunde aus Lindens Partnerstadt Warabi
Shinto-Schrein
Shinto-Schrein
Wasabi-Wurzeln, in Deutschland meist nur als scharfes Gewürz bekannt. Wasabi zu kultivieren ist nicht ganz einfach und deshalb teuer. Die Pflanzen wachsen in klarem Wasser.
Wasabi-Wurzeln
Kleiner Snack gefällig? Nüsse, Mandeln und geröstete Anchovis
Nüsse, Mandeln und geröstete Anchovis
Teilnehmer probieren
Skeptische Blicke bei der Verkostung der Anchovis. Eigentlich aber schmeckten sie ganz lecker.
Teilnehmer probieren
 

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26. Mai 2023

„Lang wie Spaghetti!“

Linneser Frauen informierten sich über Chile, das lange und schmale Land in Südamerika

Das Bild zeigt (von rechts) die beiden Referentinnen: Karin Martiny-Eberhard und Ana María Kühle-Muñoz
Karin Martiny-Eberhard auf den Spuren ihrer Vorfahren aus: "Gießener Anzeiger" vom 19. September 2019

Vierzehn Stunden Flug trennen Deutschland und Chile. Wegen der weiten Anreise hat Ana María Kühle-Muñoz, die seit vielen Jahren in Kleinlinden lebt, nur selten Gelegenheit ihre Familie und frühere Freunde in Chile zu besuchen. Beim Treffen der Linneser Frauen am 22. Mai 2023 berichtete sie von ihrer jüngsten Reise. Sie hatte Fotos mitgebracht, gab aber auch Einblicke in Geschichte und Geografie des Landes. Ihre Freundin Karin Martiny-Eberhard trug eigene Eindrücke bei, wobei die beiden Frauen recht unterschiedliche Sichtweisen vertraten.

 

Mit mehr als 4000 km Länge und nur etwa 200 km Breite ist Chile eines der längsten und schmalsten Länder der Welt – „lang wie ein Spaghetti“, verdeutlichte Anni Kühle mit einem Schmunzeln. Die Landschaften Chiles erstrecken sich von der Atacama-Wüste im Norden zu den schneebedeckten Bergen der Anden im Osten. Im Westen liegt der Pazifische Ozean, im Süden der beeindruckende Nationalpark Torres del Paine. Dazwischen finden sich fruchtbare Täler, gibt es Avocado-Plantagen und Orangenbäume. Anni Kühle stammt aus der Hafenstadt Valparaiso, und wenn Anni diesen Namen ausspricht, merkt man ihr an, dass – so wohl sie sich in Kleinlinden auch fühlt – immer ein bisschen Heimweh mitschwingt. Valparaiso heißt übersetzt wohl nicht umsonst „Paradiestal“.

 

Karin Martiny-Eberhard ist gebürtig aus Chile. 1967 kam sie erstmals nach Deutschland. Sie heiratete und bekam drei Kinder. Heute wohnt sie in Gießen. Mehrere Monate im Jahr verbringt sie in Chile. Dort ist sie Miteigentümerin einer Farm, die Schaf- und Rinderzucht betreibt. Ihr besonderes Anliegen war es, den Linneser Frauen die brutalen Eroberungszüge der Spanier bei der Besiedlung Chiles vor Augen zu führen. „Die Europäer haben die Kultur der Ureinwohner zerstört. Sie hatten keinen Respekt vor der Kultur der indigenen Bevölkerung.“ Was die Spanier als Zivilisation betrachteten, war das genaue Gegenteil, empörte sich Karin Martiny-Eberhard. In Chile übrigens heißt sie Eberhard Martiny, denn Frauen behalten auch nach der Eheschließung ihren Mädchennamen.

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26. April 2023

Linneser Frauen beim Erzählcafé im Museum

Dagmar Hinterlang
Linneser Frauen

Haben Sie schon mal das Wort „Pinökel“ gehört? Das Wort gibt es wirklich. Es bezeichnet kleine Dinge, deren Name einem nicht sofort einfällt, vergleichbar mit „Dings“ oder „Dingsda“. Der Begriff scheint im Bremischen verbreitet zu sein, denn eine aus Bremerhaven stammende Frau verwendete ihn beim jüngsten Treffen der Linneser Frauen. Die Kleinlindener Gruppe traf sich diesmal wieder außerhalb ihrer Ortsgrenzen, und zwar zum Erzählcafé im Oberhessischen Museum. Thema waren Kultur und Freizeit in Gießen.

 

Besonders spannend waren die Erinnerungen zweier Frauen der Jahrgänge 1943 und 1944, aufgewachsen in der Dammstraße und in der Bahnhofstraße. Die Bahnhofstraße war bekanntermaßen das Gießener Rotlichtviertel und doch auch ein Ort, an dem sich Kinder wohlfühlen konnten. Tagsüber gab es Kinderfasching, nachts kamen die – „Entschuldigen Sie den Ausdruck!“ – die Nutten. Der Lieblingsort der Gießenerin war der Botanische Garten, und ist es bis heute.

 

Die Häuser in der Dammstraße waren teilweise ausgebombt, die Bewohner in den Vogelsberg evakuiert worden, berichtet eine der Frauen. Ihre Familie konnte aber nach Gießen zurückkehren und sogar wieder in der Dammstraße wohnen, nun in einem anderen Haus. Auf den Trümmergrundstücken wurde gespielt.
Ganz gegenwärtig sind die Erinnerungen an die amerikanischen Soldaten. „Ich habe mich vor ihnen gefürchtet, obwohl wir zu Kakao und Plätzchen (Zwischenruf: „und Apfelsinen!“) ins Depot eingeladen worden waren. – Ich hätte mich doch freuen müssen,“ wundert sich die Gießenerin. In bester Erinnerung sind die Clubnächte im Depot, im „Woodland’s Club“ und im „Alpine Club“.

 

Wer an das Gießen der 1950er Jahre denkt, erinnert sich vielleicht an den Sportplatz des TV (später MTV) auf dem Gelände der Feuerwehr in der Steinstraße. Der Platz wurde im Winter geflutet und man konnte dort Schlittschuh laufen. „Für 10 Pfennig Eintritt“, und mit Musik. Fast meint man, die Gießenerin, die davon erzählt, über den Platz schweben zu sehen. Zum Schwimmen ging’s an die Lahn, zum Männerbadeverein. Im Wasser befanden sich zwei unterschiedlich tiefe „Kästen“. Dort wurde geübt. Als Schwimmhilfe diente ein metallener Ring.

 

An schönen Sonntagen machte man einen Ausflug, zum Beispiel nach Annerod, zu Fuß, über den Butterweg. Im „Mühlchen“ gab’s dann Kaffee und Kuchen. Legendär muss der Streuselkuchen auf dem Schiffenberg gewesen sein.

 

Wer heute auf die Gießener Gastroszene schaut, findet Gerichte aus aller Welt. Das war in den 1950er- und 1960er-Jahren noch anders. Das erste ausländische Restaurant in Gießen war möglicherweise die Pizzeria am Schwanenteich, später die Pizzeria in der Licher Straße. Bei der Frage nach dem ersten Straßencafé in Gießen müssen die Frauen passen. Es gab Gartenlokale und Außenbewirtschaftung, aber Stühle und Tische auf dem Gehweg? – Die Frage blieb unbeantwortet.

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20. März 2023

Hat der Kreis unendlich viele Ecken? – Linneser Frauen besuchten die HEAE

Mit wissenschaftlichen Fragen haben sich die Linneser Frauen nur am Rande beschäftigt. Tatsächlich aber stand das Thema Mathematik auf dem Stundenplan im Beschulungsprogramm der HEAE, als die Frauen die Erstaufnahmeeinrichtung des Landes Hessen (HEAE) in der Rödgener Straße besuchten.

 

Ingrid Hubing hat das Angebot für die Kinder der Flüchtlingsfamilien vor fünf Jahren mit anderen Engagierten gegründet. Seitdem gibt es ein schulisches Angebot für Kinder von der ersten bis zur zehnten Klasse. Angedockt ist es an die Brüder-Grimm-Schule in Kleinlinden.

 

Ingrid Hubing erläutert das Prinzip des Unterrichts

 

Marei Scholz, seit einigen Jahren ebenfalls als Lehrkraft in der HEAE aktiv, empfing die Linneser Frauen an der Pforte und versorgte die Besucherinnen mit allgemeinen Informationen über die Schülerinnen und Schüler in der Aufnahmeeinrichtung. Derzeit besuchen ca. 80 Kinder und Jugendliche aus etwa 18 Nationen das Beschulungsangebot. Viele kommen aus Afghanistan, andere aus Syrien, aus Nordmazedonien, aus der Ukraine oder aus dem Irak. Die Räume für den Schuluntericht befinden sich in dem Trakt, in dem auch die Familien untergebracht sind. Das Kollegium besteht aus elf Personen – Pensionäre, Seiteneinsteiger, Studierende. Unterrichtet wird Deutsch als Zweitsprache (DAZ). Allerdings sind manchmal Übersetzungshilfen nötig, denn die Kinder kommen aus verschiedenen Sprachregionen. Manche Kinder sind noch nie in einer Schule gewesen. Viele haben auf der Flucht Dinge erlebt, die sie bis in den neuen Alltag hinein verfolgen.

 

Linneser Frauen mit Lehrkraft Marei Scholz (Mitte, vorn)

 

In der HEAE ist ein ständiges Kommen und Gehen. Manche Bewohner bleiben Wochen, andere nur Tage bevor sie an andere Standorte oder in die Gebietskörperschaften verlegt werden. Die große Fluktuation spiegelt sich auch im Unterricht. Jede Stunde ist neu, längerfristige Planung unmöglich. Ingrid Hubing sagt: „Wir geben den Kindern Struktur und ein emotional warmes Klima, eine Willkommenskultur.“
 

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27. Februar 2023

New York, New York

Bei ihrem Treffen im Februar 2023 machten die Linneser Frauen einen Ausflug nach New York – gedanklich und mit einer Auswahl von Bildern, die das Leben in der US-Metropole spiegelten. Anlass der Reise, bei der die Fotos entstanden, war das Jubiläum der Freiwilligen Feuerwehr Klein-Linden. Eigentlich hätte die Reise schon im Jahr 2020 stattfinden sollen, zum 125-jährigen Bestehen der Wehr. Sie musste aber coronabedingt zweimal verschoben werden. Im September 2022 war es dann so weit. Das Abenteuer New York konnte beginnen.

  

Reisegruppe
Time Square
New Yorker Polizisten
Central Park
3 Damen
New Yourk neuer Turm
Stadtbild
Blick von Aussichtsplattform
Reisegruppe auf der Brooklyn Bridge mit Stadt im Hintergrund
 

Dank an Helga und Hans-Georg Hennrich für die Auswahl der aus der Reisegruppe gesammelten Fotos. Dank auch an Marianne Zielinski für die Technik beim Treffen der Frauen.

  

Nachbesprechnung

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23. Januar 2023

Saisongärten in Kleinlinden – Linneser Frauen informierten sich

Birgit KundermannWer seinen sprichwörtlich „grünen Daumen“ schon immer einmal ausprobieren wollte, hat dazu ab Mai die Gelegenheit in Kleinlinden. In der Wetzlarer Straße, am Ortsausgang in Richtung Dutenhofen, ist schon jetzt eine Fläche für die ersten Saisongärten in dem Gießener Stadtteil ausgewiesen. Beim Treffen der Linneser Frauen am 23. Januar informierte Birgit Kundermann vom Ernährungsrat der Stadt Gießen über die geplanten Aktivitäten. Christiane Janetzky-Klein ergänzte ihre Ausführungen. Der Ernährungsrat der Stadt Gießen ist eine Initiativgruppe mit 5 ehrenamtlichen Aktiven, einer Teilzeitmitarbeiterin und etwa zehn Akteuren im näheren Umfeld.

 

Linneser Frauen informierten sich

 

Die Idee zur Schaffung von Saisongärten ist in einem größeren Zusammenhang zu sehen, berichtete Kundermann bei ihrem Vortrag. So geht es nicht nur um die Produktion von gesunden Nahrungsmitteln, sondern auch um den Erhalt von Ökosystemen und den Schutz von Klima und Umwelt. Das Interesse an den Saisongärten ist offenkundig sehr groß. Beim Treffen der Linneser Frauen im Januar war nur eine der 35 Parzellen noch zu vergeben. Die Saisongärtner*innen schließen einen Mietvertrag ab und können ab Mitte Mai auf ihrem kleinen Acker häckeln, jäten, wässern und ernten. Die Miete kostet 140 Euro pro Saison. „Rein rechnerisch kann man Gemüse für 400 Euro ernten,“ versprach Christiane Janetzky-Klein. Ein Teil der Parzellen steht zur freien Verfügung. Wer erstmals seine gärtnerischen Fähigkeiten testet, wird aber vielleicht dankbar sein, dass ein Großteil der Fläche vorab bereits bestellt ist. Man kann also Kartoffeln und Gemüse auch dann ernten, wenn man sich mit den Arbeiten auf dem Feld erst noch vertraut machen muss. Wasser und Gartengeräte werden zur Verfügung gestellt. Eine Sitzecke soll dazu dienen, miteinander ins Gespräch zu kommen. Zur Straße hin wird ein Blühstreifen entstehen. Als Wildschutz wird ein Zaun angebracht.

  

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Den letzten Backschießer

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